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Fokus auf Anleihen mit kurzer Duration in den Schwellenländern

Maximierung des Rollgewinns und Minimierung der Sensitivität gegenüber Zinssätzen und Spreads

„In einem Umfeld, in dem sich die Spreadkurve abgeflacht hat, bieten Anleihen mit längerer Laufzeit keinen ausreichenden Renditeaufschlag mehr, um ihre erhöhte Sensitivität gegenüber Marktbewegungen zu rechtfertigen.“
Emma Otmani, CFA – Junior-Portfoliomanagerin bei IVO Capital Partners

Die Sichtweise von IVO Capital Partners

  • Dynamische Verwaltung: Der Fonds passt die Duration aktiv an die erkannten Marktchancen an.
  • Abflachung der Spread-Kurve: Ein beispielloses Umfeld, das den kurzfristigen Horizont effizienter macht, ohne auf attraktive Carry-Erträge verzichten zu müssen.
  • Stressresilienz: Anleihen mit kurzer Duration weisen in Krisenzeiten historisch gesehen geringere Kursrückgänge und eine schnellere Erholung auf.
  • Günstige Dynamik: Die Wiedereröffnung des Primärmarktes in Verbindung mit vorzeitigen Rückkäufen von unterbewerteten, kündbaren Wertpapieren schafft zusätzliche Hebelfür Aufwärtspotenzial beim Aufbau des Portfolios.

In der sich wandelnden Unternehmenswelt wird das Anlageumfeld derzeit von einer eindeutigen Feststellung geprägt: der deutlichen Abflachung der Spreadkurve. Die Renditen der verschiedenen Laufzeiten liegen mittlerweile sehr nahe beieinander, was den wirtschaftlichen Anreiz verringert, eine längere Duration zu halten. Die Duration wird zwar häufig als Indikator für die Zinssensitivität beschrieben, misst jedoch – unter sonst gleichen Bedingungen – auch die Preissensitivität gegenüber Schwankungen der Kreditspreads. In einem Umfeld, in dem sich die Spreadkurve abgeflacht hat, bieten Anleihen mit längerer Laufzeit daher keinen ausreichenden Renditeaufschlag mehr, um ihre erhöhte Sensitivität gegenüber Marktbewegungen zu rechtfertigen. In diesem Zusammenhang ermöglichen Strategien mit kurzer Duration eine Positionierung im effizientesten Teil der Kurve: dort, wo der Carry-Effekt attraktiv bleibt, das Risiko besser einschätzbar ist und die Preisstabilität optimiert wird.

Kurze Laufzeit: ein optimiertes Gleichgewicht zwischen Rendite und Transparenz

In diesem Jahr hat sich die Spread-Kurve in allen Segmenten der Schwellenländeranleihen abgeflacht, wodurch die Attraktivität einer Verlängerung der Duration zur Erzielung einer höheren Risikoprämie deutlich gesunken ist. Heute ist die Verlängerung der Laufzeit in einem Markt, in dem sich die Spreads verengt haben, nur noch geringfügig rentabel.

So bietet eine 4-jährige BB-Anleihe im Vergleich zu einer 3-jährigen BB-Anleihe lediglich einen zusätzlichen Spread von etwa 21 Basispunkten, was angesichts der zusätzlichen Sensitivität gegenüber Marktbewegungen nur einen marginalen Gewinn darstellt. Im B-Segment ist der Unterschied noch geringer: lediglich ~10 Basispunkte zwischen 3- und 4-jährigen Laufzeiten. Es ist daher nicht mehr erforderlich, die Duration zu verlängern, um einen höheren Spread zu erzielen, da die zeitabhängige Renditesteigerung an Attraktivität verloren hat.

Darüber hinaus kann die Spreadkurve im BB-Segment bei bestimmten Laufzeiten umgekehrt erscheinen, insbesondere wenn man Anleihen mit einer Duration von 7 Jahren mit solchen von 6 oder 5 Jahren vergleicht. Diese Inversion lässt sich sowohl durch die Abflachung der Spreadkurve als auch durch einen mit den Emittentenprofilen verbundenen Effekt erklären. Tatsächlich werden Anleihen mit langer Duration von kreditstärkeren Emittenten begeben, was automatisch zu engeren Spreads führt und den Anschein einer Inversion erweckt, obwohl es sich um Anleihen unterschiedlicher Emittenten handelt, die auf einer homogenen Basis nicht direkt vergleichbar sind.

In diesem Umfeld erscheint eine auf kurze Laufzeiten ausgerichtete Strategie daher optimal, da sie es ermöglicht, den Zinsertrag zu maximieren und gleichzeitig das Risiko von Marktbewegungen zu begrenzen sowie eine erhöhte Liquidität zu wahren, ohne auf eine signifikante Kreditprämie verzichten zu müssen. Schließlich verstärken auch die makroökonomischen Aussichten die Attraktivität kurzer Laufzeiten: JP Morgan rechnet mit einem Anstieg der 10-jährigen US-Staatsanleihe (10Y UST) auf 4,35 % bis Ende 2026, getrieben von Sorgen um die US-Haushaltslage und einem erwarteten Anstieg der Laufzeitprämie.

Ein geringerer Unsicherheitsspielraum bei der Kreditvergabe

Zudem werden Anleihen mit kurzer Laufzeit durch unmittelbare und beobachtbare Faktoren (Liquidität, Refinanzierung, bevorstehende Rückkaufoption) bewertet, im Gegensatz zu Anleihen mit langer Laufzeit, die stärker von mittel- bis langfristigen Finanzprognosen beeinflusst werden. Dies verbessert die Nachvollziehbarkeit des Risikos und die Transparenz der Rendite für Anleger in Unternehmensanleihen aus Schwellenländern.

Eine stärkere fachliche Unterstützung im Sekundarbereich

In Zeiten von Marktstress reduzieren Anleger zunächst die Positionen, die am stärksten auf Marktwertschwankungen (Mark-to-Market) reagieren – typischerweise Anleihen mit langen Laufzeiten, da deren Kurs stärker auf Zins- und Spreadschwankungen reagiert, was sie volatiler macht. Anleihen mit kurzer Laufzeit hingegen weisen geringere Kursschwankungen auf und sind auf dem Sekundärmarkt in der Regel weniger von Zwangsverkäufen betroffen. Da sie sich rasch ihrem Fälligkeitstermin nähern, wird ihre Bewertung im Laufe der Zeit zudem wieder vorhersehbarer, und die Rückkehr zum Nennwert erfolgt dank der näher rückenden Fälligkeit schneller.

Belastbarkeit: Das Beispiel Suzano

Das Beispiel der Suzano-Anleihen veranschaulicht die Effizienz eines kurzfristigen Anlagehorizonts in Krisenzeiten. Nach dem Einbruch am „Liberation Day“ Anfang April erreichte die Suzano-Anleihe 28 (kurze Duration) innerhalb von 13 Tagen wieder ihr Kursniveau vor dem Ereignis, während die Suzano-Anleihe 47 dafür 59 Tage benötigte. Bei vergleichbarem Kreditprofil zeigte die Anleihe mit kurzer Laufzeit eine deutlich höhere Erholungsgeschwindigkeit, was die Bedeutung einer Positionierung auf dem effizientesten Zeithorizont unterstreicht, wenn die Rendite aus der Duration nur noch marginal ist.

Wiedereröffnung des Primärmarktes und Chancen im Zusammenhang mit Call-Optionen

Nach einer Phase der Abschwächung in den Jahren 2022–2023 hat sich der aufstrebende Primärmarkt im Jahr 2024 wieder belebt, insbesondere im High-Yield-Segment. Bei IVO Capital Partners konzentrieren wir uns auf kündbare Anleihen, die unter ihrem Rückkaufpreis gehandelt werden, bei denen ein vorzeitiger Rückkauf oder eine vorzeitige Refinanzierung das Potenzialfür Kursgewinne und eine Renditeasymmetrie schafft (Beispiele: die Anleihen Aydemt 27 und Edvln 26). Wir identifizieren zudem eine breitere Quelle für Alpha: stark unterbewertete Emittenten, für die der Primärmarkt geschlossen war und deren Rückkehr mit glaubwürdigen Refinanzierungsplänen das wahrgenommene Risiko verringert und den Bewertungsabstand verringert hat, was zusätzliche Renditechancen beim Aufbau des Portfolios bietet (Beispiele: die Anleihen Weschi 26 und Aragvi 26).

Fazit: Eine kurze Duration ist im aktuellen Anleihemanagement ein Vorteil

Im aufstrebenden Unternehmensanleihemarkt sollten Anleihen mit kurzer Duration nicht als taktische Entscheidung betrachtet werden, die allein durch die Zinsvolatilität diktiert wird, sondern als rationaler Ansatz zur Arbitrage zwischen Sensitivität und Carry in einem Umfeld mit abgeflachter Spread-Kurve. Heute ist die durch eine Verlängerung der Laufzeit erzielte Spread-Prämie nur noch marginal und gleicht die Kosten der Zins- und Spread-Sensitivität bei Anleihen mit langer Laufzeit nicht mehr aus.

In diesem Zusammenhang erweist sich die kurze Duration als Garant für Effizienz: Erzielung eines hohen Carry, bessere Nachvollziehbarkeit des Kreditrisikos und Beibehaltung eines defensiveren technischen Profils auf dem Sekundärmarkt, insbesondere in Zeiten von Mark-to-Market-Stress.

Über die Beobachtung der Zinskurve hinaus bietet der kurzfristige Horizont zudem einen starken Impulsgeber für Chancen. In einem wieder geöffneten Primärmarkt schaffen glaubwürdige Refinanzierungspläne von Emittenten aus Schwellenländern sowie vorzeitige Rückkäufe von kurzfristigen, kündbaren Anleihen (durch Ausübung von Kündigungsrechten oder Refinanzierung) zusätzlichesAufwärtspotenzial. Dieser Performance-Treiber kommt naturgemäß bei kurzen Laufzeiten stärker zum Tragen und stellt heute einen erkennbaren Hebel für die Alpha-Generierung in aktiv verwalteten Portfolios dar.

Im Fonds „IVO Emerging Markets Corporate Debt“ wurde die Duration aktiv auf 2,9 Jahre reduziert (gegenüber 4,6 Jahren im September 2023), was den Ansatz widerspiegelt, den Carry zu maximieren und gleichzeitig die Volatilität zu minimieren. Trotz dieser deutlichen Verkürzung der Duration liegt die Rendite des Fonds weiterhin bei 7,1 % in Euro, was einer deutlich höheren Rendite als bei Euro-Geldmarktfonds entspricht, die derzeit etwa 2,1 % erzielen. Dies bestätigt, dass eine kurze Positionierung die Marktsensitivität verringern kann, ohne dabei die Vergütung für das Kreditrisiko zu beeinträchtigen.

Quellen: IVO Capital Partners, Bloomberg, JP Morgan. Alle Finanzdaten beziehen sich auf den 01.12.2025.

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